Erlebnis-Baden in Vöslau

bauplane1Som­mer­fri­sche der etwas ande­ren Art kann man der­zeit im Vös­lau­er Ther­mal­bad erle­ben. War­um aus­ge­rech­net in den weni­gen Som­mer­mo­na­ten das Bad-Restau­rant reno­viert wer­den muss, fra­gen sich vie­le Badegäste.

Bad Vös­lau im Tau­mel des Gar­ten-Fes­ti­vals. Und das his­to­ri­sche Ther­mal­bad mit sei­nen präch­ti­gen Bäu­men mit­ten drin. Allein – nicht fes­ti­val­ge­mäß her­aus­ge­putzt, son­dern – eine Bau­stel­le. Das belieb­te Lokal am Rand des grü­nen Beckens – heu­er nicht in Betrieb. Statt des­sen: Bau­lärm für die son­nen­hung­ri­gen Badegäste. 

An mei­nem ers­ten Bade­tag in die­sem Som­mer (7. Juni) führ­te ich zwar ein net­tes Gespräch am Becken­rand, im Hin­ter­grund kreisch­te aber dau­ernd eine Säge. Schließ­lich wer­ken die Bau­ar­bei­ter im Auf­trag der Bad-Gesell­schaft „wie die Bie­nen“ an der Restau­rie­rung des Restau­rants am Rand des grü­nen Beckens. War­um dies aus­ge­rech­net im ohne­hin so kur­zen Som­mer sein muss, das wird auf der wirk­lich hüb­schen Bau­pla­ne lei­der nicht erklärt. Auch über den Ter­min für das Ende der Bau­ar­bei­ten darf gerät­selt wer­den. Aber viel­leicht wer­den ja alle heu­er generv­ten Sai­son­kar­ten­be­sit­ze­rIn­nen nächs­tes Jahr vom Ther­mal­bad-Team zu einem som­mer­fri­schen Eröff­nungs­me­nü eingeladen.

Da die Säge nicht ver­stum­men woll­te und noch durch Boh­ren, Schlei­fen und Häm­mern ergänzt wur­de, such­te ich schließ­lich Ruhe im etwas abseits gele­ge­nen Kaf­fee­haus rechts vom Aufgang.

Dort ist der­zeit eine Art von „Not­lö­sung“ (als Ersatz für das in Reno­vie­rung befind­li­che Restau­rant) instal­liert. Selbst­be­die­nung für Eski­mo-Eis, Pom­mes und Wurst­sem­meln. Ach ja, und Kaf­fee in Papp­be­chern gibt es auch – einen gro­ßen Mok­ka um 2,90 zum Bei­spiel… Den darf man dann auf Klapp-Stühl­chen vor dem Lokal genie­ßen, die jedem Bil­lig-Heu­ri­gen zur Schan­de gerei­chen wür­den. Aber man ist ja im Bad zum Schwim­men und nicht zum Her­um­sit­zen, nicht wahr?

Wer über­haupt das Pech hat, an einem Mon­tag eine Ganz­tags-Bade­kar­te um 6,90 Euro zu erwer­ben, muss sich sein Jau­sen­pa­ckerl übri­gens selbst mit­neh­men, wenn er mit Wurst­sem­meln und Pom­mes nicht zufrie­den zu stel­len ist. Denn das belieb­te Sau­na-Stüberl, wo es Schmack­haf­tes zu essen gäbe, hat Ruhe­tag. Tja, und das Restau­rant am Becken­rand – Bau­stel­le eben. Aber in Kri­sen­zei­ten muss man ja nicht unbe­dingt essen gehen, nicht wahr? Schon gar nicht im schöns­ten Bad weit und breit, und schon gar nicht, wenn man sich als Urlaubs­gast som­mer­frisch erho­len will.

Apro­pos Kri­sen­zei­ten: Im neu ein­ge­rich­te­ten Bad-Shop im Ein­gangs­be­reich gibts ech­te Luxus-Ware: Flip-Flops aus Plas­tik um knapp 30 Euro, oder eine Mode­schmuck­ket­te aus gro­ßen Holz­per­len um sat­te 74 Euro. Klei­ne Notiz­hef­te um 3,60. Ech­te Schnäpp­chen, die bestimmt rei­ßend Absatz fin­den wer­den. Kein Ver­gleich mit Prei­sen in der Wie­ner City.

Nach­dem ich mei­nen Kaf­fee geleert hat­te und die Bau­sä­ge noch immer nicht ver­stummt war, beschloss ich, das Bad zu ver­las­sen. Nicht ohne das gewis­se Ört­chen auf­zu­su­chen, das Damen-WC rechts vom Haupt­ein­gang. Ich betrat den Raum und hör­te eine ängst­li­che Kin­der­stim­me aus einem der bei­den WCs: „Hil­fe, ich kann nicht raus!“ Das Dreh­schloss ließ sich von innen nicht mehr öff­nen. Ich griff kurz ent­schlos­sen zu einer Mün­ze und dreh­te von außen auf. Aus dem ande­ren WC kam eine Frau ganz ohne Auf­sperr-Hil­fe her­aus und sag­te: „Die­se WCs hier sind eine Kata­stro­phe. Die Gefahr, sich selbst ein­zu­sper­ren ist groß. Ich ken­ne ein paar Leu­te, denen das schon pas­siert ist.“

Der­ar­tig gewarnt erle­dig­te ich mein Geschäft, ohne abzu­sper­ren, mit der Hand auf der Tür­schnal­le. Schließ­lich woll­te ich nicht durch das Klo­fens­ter aus­stei­gen, ich hat­te schwe­ren Mus­kel­ka­ter. Klo­pa­pier war um 16 Uhr übri­gens keins mehr vor­han­den. Auch kein Papier zum Hän­de-Abtrock­nen. Naja, kann passieren…

Drau­ßen spa­zier­te ich dann an der blau­en Lin­da vor­bei. Ich schüt­tel­te den Kopf, Lin­da spuck­te Was­ser… Denn dar­um geht’s ja auch in Bad Vös­lau: Im Rah­men des Gar­ten­fes­ti­vals das hier mun­ter spru­deln­de Was­ser sicht­bar zu machen (wie zum Bei­spiel neu vor dem Rathaus).

Hier noch ein paar Impressionen:

klappstühle1 Mini­ma­lis­ti­sche Selbst­be­die­nungs-Kaf­fee­haus-Aus­stat­tung. Der Preis eines gro­ßen Mok­kas ist mit 2,90 Euro aber nicht total minimalistisch.

holzketteDie­se Holz­ket­te ist im Bad-Shop um 74 Euro zu haben! Rasch zugrei­fen, sie wird schnell weg sein 🙂

lindaDie blaue See­kuh Lin­da, inzwi­schen getauft, spuckt ein biß­chen Was­ser, weiß aber auch nicht, ob das Bad-Restau­rant heu­er im Som­mer noch in Betrieb gehen wird.

3 Gedanken zu „Erlebnis-Baden in Vöslau

  1. Lie­be Gabi!

    Alles trifft per­fekt zu – wie wäre es eine Kurz­ge­schich­te dar­über zu schreiben.
    Übri­gends benei­de ich Dich, dass Du alles so auf den Punkt genau bringst – und so witzig.
    Lie­be Grü­ße von Gabi

  2. ich würd eher sagen, die blö­de see­kuh sab­bert unap­pe­tit­lich, damit einem schon beim rein­ge­hen jedes hun­ger­ge­fühl abhan­den kommt.

  3. na wer wird denn so gars­tig sein, die see­kuh ist trau­rig, weil sie allei­ne sein muss. viel­leicht soll­te man einen see­stier dazu stellen 🙂

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