Chaos auf der Donau

Die Schnbrunn ist der ein­zi­ge ber­le­ben­de von mehr als 300 Damp­fern, die unter der Flag­ge der DDSG fuh­ren, der ltes­ten, 1829 gegrn­de­ten Ree­de­rei an der Donau. Sie wur­de vor rund 10 Jah­ren reno­viert und ist heu­te eine belieb­te Tou­ris­ten­at­trak­ti­on.

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Es soll­te ein tou­ris­ti­sches High­light wer­den: die Sonn­wend­fahrt am 18. Juni auf dem his­to­ri­schen Donau­schiff MS Schnbrunn. Ver­spro­chen wur­de ein vierstndi­ger Schiffs­aus­flug zwi­schen Krems und Spitz, in der schns­ten Gegend der Wach­au. Doch dann kam alles anders.

Die Ein­tritts­kar­te mit Sekt­emp­fang kos­te­te 75 Euro, erzhlt ein Teil­neh­mer. Und dazu wur­de uns noch extra zu bezah­len­des Essen la car­te offe­riert. Von den Schiffsgs­ten nutz­ten fast alle die­ses Ange­bot, denn das Wet­ter mach­te den Aus­flg­lern einen Strich durch die Rech­nung. Es reg­ne­te in Strmen. Die Gste wur­den schon eine hal­be Stun­de vor der Zeit aufs Schiff gelas­sen und strm­ten das Restau­rant.

Von gepfleg­tem his­to­ri­schem Schiff­fahrts-Flair war bald nichts mehr zu mer­ken. Denn es dau­er­te nicht lan­ge, da brach das Cha­os aus. Wir muss­ten zwei Stun­den auf unser Essen war­ten. Und dann end­lich ent­sprach es nicht den Erwar­tun­gen und wur­de noch dazu von vllig unpro­fes­sio­nel­lem Per­so­nal, ich wrde sagen, von ver­klei­de­ten Kell­nern ser­viert. Die Stim­mung am Schiff war sehr, sehr auf­ge­la­den, klagt ein Gast.

Mit dem Cate­ring war von der Schiff­fahrts­ge­sell­schaft OEGEG (ster­rei­chi­sche Gesell­schaft fr Eisen­bahn­ge­schich­te) der Lin­zer Gas­tro­nom Peter Moser beauf­tragt wor­den. Er wuss­te, dass er rund 400 Gste zu beko­chen haben wrde. Schon allein die Idee, la car­te anzu­bie­ten, ist eine Chuz­pe. Die his­to­ri­sche Schiffsk­che ist gera­de mal 40 Qua­drat­me­ter gro, da htten wir pro Essen eine Minu­te zum Kochen Zeit. Den­noch lie sich der Gas­tro­nom auf das Wag­nis ein. Und bestell­te zust­zlich zu sei­nem eige­nen Per­so­nal noch bei der Lea­sing­fir­ma Man­power Fach­per­so­nal frs Ser­vice. Bekom­men habe ich aber vllig Ahnungs­lo­se, und es war nicht mal Zeit, die­se ein­zu­schu­len, weil ja wegen dem Schlecht­wet­ter die Gste schon frher an Bord kamen. Und so kam es, dass die (versp­te­ten) Spei­sen durchs Restau­rant irr­ten und auf irgend­wel­chen Tischen von Gsten mit knur­ren­dem Magen lan­de­ten, die schon mit allem Ess­ba­rem zufrie­den waren. Eine Stun­de pro geleas­tem Fach­per­so­nal kos­tet mich 25 Euro plus zust­zli­che Spe­sen in Sum­me also ca. 35 Euro. Ich bin nicht bereit, das zu bezah­len. Schlie­lich hat­te ich auch Umsatz­ent­gang, sagt der Gas­tro­nom. Moser hat­te fnf Leih­ar­bei­ter bestellt.

Die Fir­ma Man­power weist alle Vor­wr­fe von sich. Geschftsfh­rer Erich Pichor­ner sagt: Es wur­de Per­so­nal ohne Inkas­so frs Ser­vice geor­dert und das hat Moser bekom­men. Der Stun­den­satz fr Fach­per­so­nal ist 20 Euro plus Mehr­wert­steu­er. Das Per­so­nal bekommt davon kol­lek­tiv­ver­trag­li­che 10 Euro pro Stun­de. Glau­ben Sie aber nicht, dass den Rest Man­power ver­dient. Wir mssen ja schlie­lich auch die Sozi­al- und Son­der­zah­lun­gen leis­ten. Pro Leih­ar­bei­ter blei­ben uns 10 20 Pro­zent. Pichor­ner will sich mit dem Gas­tro­no­men aber eini­gen. Fr ihn sei das Schlecht­wet­ter die Ursa­che des Cha­os gewe­sen.

Am Ende steht die Fra­ge: Gengt ein bichen Regen­wet­ter, um ein tou­ris­ti­sches Kon­zept der­ma­en zum Schei­tern zu brin­gen? Am Ende hal­fen nmlich auch schon die Schiffs­ma­tro­sen als Kell­ner aus. Unglaub­lich, was alle geleis­tet haben, sagt Klaus Hoff­mann von der OEGEG. Ihm ist jeden­falls wich­tig, dass mglichst vie­le Gste aufs Schiff kom­men. Das Schiff fasst 600 Per­so­nen. Hoff­mann abschlie­end: Wir mssen das Schiff aus­las­ten, sonst rech­net sich der Betrieb nicht. Der Gas­tro­nom habe ihm ver­spro­chen, dass so etwas nicht mehr pas­siert. Fazit: Offen­sicht­lich sind auch die edels­ten tou­ris­ti­schen Ange­bo­te so haar­scharf kal­ku­liert, dass schon eine klei­ne Unwg­bar­keit wie Schlecht­wet­ter (nicht gera­de eine Sel­ten­heit in ster­rei­chi­schen Som­mern) nicht mehr bewl­tigt wer­den kann. Aber Haupt­sa­che, die Wer­bung lockt mglichst vie­le Men­schen (in dem Fall) aufs Schiff…

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Die­se Geschich­te steht auch im aktu­el­len „Augus­tin“ (erschie­nen am 24. August, erhlt­lich bis 7. Sep­tem­ber). Auf den Arti­kel kli­cken, um die vol­le Gre zum Lesen anzu­zei­gen!

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