Die Frau im lila T‑Shirt

Zum Inter­view kommt Lea Schat­zer mit einem lila T‑Shirt. Zufall? Die Far­be Lila wird immer­hin auch mit les­bi­schen Frau­en in Ver­bin­dung gebracht. Und um Homo­se­xua­litt soll es schlie­lich in unse­rem Inter­view ja gehen. Ich bin eigent­lich ein sehr far­ben­fro­her Mensch, Lila ist aber sicher eine mei­ner Lieb­lings­far­ben. Dass ich es heu­te tra­ge, ist aller­dings ein glck­li­cher Zufall.

Die 51-jhri­ge Wie­ner Neustdte­rin hat­te im Som­mer eine Idee, die sie nun regel­recht beflgelt. Lea Schat­zer will im Sden von Wien also in den Bezir­ken Mdling, Baden, Wr. Neu­stadt und Neun­kir­chen so was wie einen schwul-les­bisch-trans­gen­der-Stamm­tisch mit Sitz in Wie­ner Neu­stadt auf­bau­en. Die ers­ten bei­den Tref­fen haben bereits fr groes Inter­es­se gesorgt. Wir wol­len durch Aktio­nen ver­su­chen, Vor­ur­tei­le abzu­bau­en. Es sind aber auch gemt­li­che gemein­sa­me Akti­vit­ten geplant vom Wan­dern bis hin zum Kino- oder Kegel­abend. Und ganz wich­tig: Der Stamm­tisch ist par­tei­un­abhn­gig. Rund 20 Per­so­nen haben jeweils an den ers­ten Tref­fen im Wr. Neustd­ter Caf Ein­horn teil­ge­nom­men. Zur Zeit wird ein grif­fi­ger Name fr den Stamm­tisch gesucht. Etwas in Rich­tung Far­ben­froh knn­te es viel­leicht wer­den, meint Lea Schat­zer, die auch auf Face­book zu fin­den ist.

„Bis­her war kaum jemand da, der sich ffent­lich fr die Rech­te von Homo­se­xu­el­len und Trans­gen­der-Per­so­nen ein­setz­te“

Wie geht es einer voll geoute­ten Frau, die Mut­ter einer Toch­ter ist, aber nun Frau­en­be­zie­hun­gen lebt, im eher kleinst­d­ti­schen Milieu? Wie homo­phob ist Wie­ner Neu­stadt, wo die letz­ten Wahl­er­geb­nis­se ja einen poli­ti­schen Rechts­ruck brach­ten? Lea Schat­zer: Wie­ner Neu­stadt ist sicher nicht mehr oder weni­ger homo­phob wie ver­gleich­ba­re ande­re Std­te. Der Rechts­ruck liegt eher im inter­kul­tu­rel­len Bereich. Natrlich ist nicht abzu­se­hen, dass sich die­ser Rechts­ruck in Krze auch gegen Homo­se­xu­el­le und auch gegen mich rich­tet. Bis­her war ja kaum jemand da, der sich ffent­lich fr die Rech­te von Homo­se­xu­el­len und Trans­gen­der-Per­so­nen in unse­rer Stadt ein­ge­setzt hat.

Lea Schatzers Inter­ven­ti­on hat bei­spiels­wei­se ermglicht, dass schwu­le oder les­bi­sche Paa­re wie alle im Trau­ungs­saal des Wie­ner Neustd­ter Rat­hau­ses hei­ra­ten knnen und nicht, wie ursprn­glich geplant, in irgend­ei­nem behrd­li­chen Hin­ter­kam­merl. Vori­ges Jahr haben zehn Paa­re das Ange­bot genutzt, heu­er bis­her zwei. Den­noch: Ich muss­te mich schon sehr anstren­gen, um zu zei­gen, dass ich auch geoutet mei­ne Frau ste­hen kann. Aller­dings glau­be ich nicht, dass mei­ne Anstren­gun­gen gewr­digt wer­den. Sie wer­den eher gedul­det. Aber immer­hin hat mir Brger­meis­ter Bern­hard Mller Unterst­tzung zuge­sagt. Immer­hin.

„Wer kein Geld hat, gibt eben nichts. Nie­mand soll aus­ge­schlos­sen sein.“

Die Vor­ur­tei­le sind also immer noch da. Ent­spre­chend sen­si­bel will Lea Schat­zer mit den Men­schen umge­hen, die sich im neu­en Stamm­tisch enga­gie­ren. Nicht alle wol­len mit ihrer sexu­el­len Nei­gung bekannt wer­den, und das ist voll zu respek­tie­ren, sagt die kmp­fe­ri­sche Power-Frau. Des­halb soll unser Stamm­tisch auch nicht mit Pau­ken und Gra­na­ten ffent­lich eta­bliert wer­den, son­dern nie­der­schwel­lig wach­sen, je nach den Bedrf­nis­sen und Mglich­kei­ten unse­rer Mit­glie­der. Wobei da nicht von offi­zi­el­len zah­len­den Mit­glie­dern die Rede ist. Wir tref­fen uns, reden mit­ein­an­der, und am Ende geben alle eine klei­ne Spen­de in den auf­ge­stell­ten Topf. Wer kein Geld hat, gibt eben nichts. Wich­tig ist mir, dass nie­mand aus­ge­schlos­sen ist. Und dass jeder und jede teil­neh­men und kom­men und gehen kann, wie er oder sie will.

„Ich will mich als Ansprech­per­son fr Men­schen mit far­ben­fro­hen Anlie­gen eta­blie­ren“

So neben­bei ist die Gemein­de-Buch­hal­te­rin auch stell­ver­tre­ten­de Lan­des­vor­sit­zen­de der Soho Nie­ders­terreich. Soho steht fr Sozi­al­de­mo­kra­tie und Homo­se­xua­litt. Fr Lea Schat­zer ist es schon ein Fort­schritt, dass sich die Sozi­al­de­mo­kra­tie nun end­lich auch offen­siv des The­mas annimmt und in den Bun­des­ln­dern Soho-Lan­des­grup­pen eta­bliert. Bun­des­weit ist die SP aller­dings noch mei­len­weit davon ent­fernt, dies­bez­glich alles im Griff zu haben, spart Lea Schat­zer nicht mit kri­ti­schen Wor­ten. Kri­tisch war sie immer schon. Sie war drei Jah­re lang auch SP-Gemein­der­tin in ihrer Hei­mat­stadt, doch nach­dem sie par­tei­in­tern ange­fein­det wur­de, leg­te sie ihr Man­dat nie­der. Das heit aber nicht, dass ich mich nicht auch wei­ter fr die Men­schen enga­gie­re. Immer­hin wur­de ich gewhlt und ich sehe das bis heu­te als Auf­trag. Und so verrt sie ohne Scheu auch ihre Han­dy­num­mer 069911201111. Ich will mich als Ansprech­per­son fr Men­schen mit far­ben­fro­hen Anlie­gen eta­blie­ren. Alle knnen mich jeder­zeit anru­fen. Egal, ob sie wis­sen wol­len, wann unser Stamm­tisch wie­der zusam­men­kommt, wenn sie recht­li­che Aus­knf­te haben oder sich ein­fach nur aus­wei­nen wol­len.

„Es gib mehr von uns, als wir glau­ben.“

Die Frau mit dem lila T‑Shirt hat­te kein leich­tes Leben, vie­le Krank­hei­ten war­fen sie immer wie­der zurck. Der Anklang, den ihre far­ben­fro­he Stamm­tisch-Idee in schwul-les­bi­schen und Trans­gen­der-Krei­sen der Regi­on fin­det, lsst sie nun blen­dend aus­se­hen. Sie sprht vor Elan und wei: Erfolg beflgelt. Es gibt mehr von uns, als wir glau­ben, auch hier am Land. Das macht uns stark.

 

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