Mussolini in Pfaffsttten

Sie ist eine Quer­den­ke­rin, ohne Zwei­fel. Ihr his­to­ri­sches Inter­es­se und ihre unge­whn­li­che Her­an­ge­hens­wei­se an his­to­ri­sche The­men las­sen sie dort fndig wer­den, wo ande­re gar nicht so genau hin­schau­en. So war es auch vor einem guten Jahr. Damals trug sich die Pfaffstt­t­ne­rin Eleo­no­re Rod­ler (65) mit dem Gedan­ken, ein Buch ber ihren Hei­mat­ort zu schrei­ben – ein his­to­ri­sches Buch abseits von Anek­do­ten aus Heu­ri­gen­le­ben und Wein­bau. Sie ging ins Hei­mat­mu­se­um und schau­te sich um. Es muss­te doch noch etwas ande­res auer Fos­si­li­en und alten Wein­pres­sen geben…

Da fiel mein Blick auf einen eher unschein­ba­ren Zei­tungs­aus­schnitt aus dem Jahr 1933 und zwei Fotos. Eines zeig­te Beni­to Mus­so­li­ni mit sei­ner Unter­schrift, das ande­re den Pfaffstt­t­ner Archi­tek­ten Karl Rei­ner, unter dem Mus­so­li­ni als Mau­rer gear­bei­tet hat. Ich wur­de hell­h­rig, erin­nert sich Eleo­no­re Rod­ler. Und der Zufall schlief nicht bald danach fand sich auch ein Hin­weis auf Mus­so­li­nis Auf­ent­halt in Pfaffstt­ten in dem Buch Sam­mel­su­ri­um Aus­tria­cum von Prof. Ger­hard Ttschin­ger.

Die nchs­te Zeit ver­brach­te Eleo­no­re Rod­ler mit Lesen, lesen, lesen, wie sie selbst sagt. So bekam sie ein Gef­hl fr die­se Zeit des begin­nen­den Natio­nal­so­zia­lis­mus. Beni­to Mus­so­li­ni, ursprn­glich aus armen Verhlt­nis­sen stam­mend und poli­tisch links ein­ge­stellt, mach­te ja bekannt­lich als faschis­ti­scher Dik­ta­tor (Duce) in Ita­li­en eine berch­tig­te Kar­rie­re, erst als Feind von Hit­ler, spter als sein Freund.

Doch Eleo­no­re Rod­ler inter­es­siert in ihrem Buch Mus­so­li­ni in Pfaffstt­ten nicht sei­ne poli­ti­sche Ent­wick­lung, son­dern mehr die his­to­ri­sche Atmo­s­ph­re, die letzt­lich zum Auf­schwung des Faschis­mus in Euro­pa gef­hrt hat. Fac­tion – eine Mischung aus Fik­ti­on und Fak­ten – nennt sie ihr Buch, das eigent­lich eine Erzhlung ist. Ein­ge­bet­tet in his­to­ri­sche Tat­sa­chen erfin­det die Autorin vier Per­so­nen, die ihre pers­n­li­che Geschich­te jener Zeit erzh­len.

Ich will damit Geschich­te anschau­bar, nach­er­leb­bar machen, vor allem auch fr die Jugend. Die meis­ten Men­schen sind ja nicht so sehr an Jah­res­zah­len inter­es­siert wie an Stim­mun­gen und span­nen­den Sto­rys, sagt Eleo­no­re Rod­ler.

Eine Fac­tion gibt es von ihr bereits: Feich­ten­bach erzhlt eine erfun­de­ne Geschich­te rund um das in Ver­ges­sen­heit gera­te­ne gleich­na­mi­ge Lebens­born-Heim bei Per­nitz im Bezirk Wr. Neu­stadt. (Lebens­born war ein von der SS getra­ge­ner Ver­ein zur Erhhung der Gebur­ten­ra­te rein ari­scher Kin­der, Anm.).

Am 4. Novem­ber stell­te Eleo­no­re Rod­ler Mus­so­li­ni in Pfaffstt­ten im rtli­chen Gemein­de­zen­trum vor. Unter den Gsten waren auch Bgm. Chris­toph Kainz und Prof. Ger­hard Ttschin­ger. Das Buch ist im vabe­ne-Ver­lag erschie­nen und kos­tet 19,80 Euro.

http://liternarr.blogspot.com/

Ich im Gesprch mit Eleo­no­re Rod­ler. (Foto: Alex­an­der Wit­tek)

 

Buch­prsen­ta­ti­on im Gemein­de­zen­trum: Rod­ler mit Ger­hard Ttschin­ger (li) und Bgm. Chris­toph Kainz. Foto: Alex­an­der Wit­tek

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