Handel mit E‑Schrott floriert

Im Bezirk Bruck/Leitha wur­den im Vor­jahr 255.743 Kilo Elek­tro­nik-Schrott gesam­melt – sechs Kilo pro Ein­woh­ner. Den Haupt­an­teil machen Bild­schir­me, Elek­tro-Klein­ge­rä­te und Kühl­ge­rä­te aus.

Der Anteil gefähr­li­cher, umwelt­schä­di­gen­der Stof­fe in den E‑Geräten ist in Neu­ge­rä­ten auf­grund neu­er Geset­ze ver­schwin­dend gering. Für die (Wieder-)Verwertung sind heu­te vor allem kost­ba­re Bestand­tei­le inter­es­sant – wie Gold und Sil­ber oder Indi­um, ein Neben­pro­dukt des Zinn-Abbaus, das jähr­lich in mehr als einer Mil­li­ar­de Elek­tro­pro­duk­ten wie Flach­bild­schir­me und Han­dys ver­wen­det wird. In den letz­ten fünf Jah­ren ist der Indi­um­preis am Welt­markt um das Sechs­fa­che gestie­gen – inzwi­schen ist es teu­rer als Silber.

Sam­mel­men­gen extrem gestiegen

In den letz­ten zehn Jah­ren sei­en die Sam­mel­men­gen extrem gestie­gen, meint der Bru­cker Abfall­be­ra­ter Chris­ti­an Myn­ha. Dies ist nicht nur auf das seit 2005 vor­ge­schrie­be­ne EU-Gesetz zurück­zu­füh­ren, son­dern auch auf die immer kür­ze­re Lebens­dau­er der Gerä­te bzw. auf das geän­der­te Kon­sum­ver­hal­ten. Außer­dem: Repa­ra­tu­ren sind oft nicht mög­lich oder zu teuer.„Bei der Fuß­ball-WM 2010 gab es eine Kam­pa­gne für neue LED-Flach­bild­schir­me, alte Fern­se­her lan­de­ten hau­fen­wei­se in unse­ren Sam­mel­stel­len,“ so Mynha.

„Mus­ter­schü­ler“

Im Bezirk Bruck wird die EU-Vor­schrift, dass pro Kopf jähr­lich 4 Kilo E‑Schrott gesam­melt wer­den muss, mit einer 6 Kilo-Quo­te deut­lich über­schrit­ten. Die hei­mi­sche Sam­mel­mo­ral wur­de durch die kos­ten­lo­sen Ent­sor­gungs­an­ge­bo­te deut­lich geho­ben. Myn­ha: „Seit man bei uns auch Kühl­schrän­ke kos­ten­los los­wer­den kann, lan­den sie nicht mehr im Gebüsch.“ Den­noch wer­den jähr­lich welt­weit viel mehr E‑Geräte pro­du­ziert als schließ­lich in den Sam­mel­stel­len lan­den. Wo sie schließ­lich lan­den, ist unklar.

Pro­ble­me: Roh­stoff-Abbau und Arbeitsbedingungen

Die Pro­ble­ma­ti­ken bestehen einer­seits im Abbau der zur Her­stel­lung benö­tig­ten Roh­stof­fe, der oft unter schlim­men Bedin­gun­gen in Ent­wick­lungs­län­dern erfolgt. Ande­re­seits auch in den Arbeits­be­din­gun­gen bei der Her­stel­lung selbst. „Vor allem jun­ge Frau­en sind z.B. in Thai­land in der Elek­tronik­in­dus­trie beschäf­tigt. Sie arbei­ten tag­täg­lich bis zu 16 Stun­den am Fließ­band und gefähr­den dabei ihre Gesund­heit für einen Hun­ger­lohn von 4 Euro pro Tag, von dem sie nicht leben kön­nen“, berich­tet Chris­ti­na Schrö­der von der ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on Süd­wind. Und auch die „ille­ga­le“ Ver­wer­tung in Ent­wick­lungs­län­dern ist ein Pro­blem: Dort wer­den die alten Gerä­te (oft von Kin­dern) aus­ein­an­der­ge­nom­men, auf der Suche nach den kost­bars­ten Kleinst­tei­len. Green­peace berich­tet bei­spiels­wei­se, dass 2005 bei Inspek­tio­nen von 18 euro­päi­schen Häfen 47 Pro­zent des expor­tier­ten Mülls (dar­un­ter auch E­Schrott), ille­gal war. „Bei uns gehen die Alt­ge­rä­te an hei­mi­sche Spe­zi­al­fir­men, die die teu­ren Tei­le her­aus­lö­sen – und das dar­aus lukrier­te Geld an die Abfall­ver­bän­de rück­erstat­ten. So finan­zie­ren sich unse­re Dienst­leis­tun­gen auch. Und – je mehr gesam­melt wird – des­to gerin­ger die Gefahr einer Müll­ge­büh­ren-Erhö­hung,“ erläu­tert Myn­ha die Zusam­men­hän­ge. Eine Gebüh­ren­er­hö­hung in nächs­ter Zeit schließt er aus.

Sam­mel­bri­ga­den aktiv

Einen Strich durch die Rech­nung kön­nen aller­dings unga­ri­sche und slo­wa­ki­sche Sam­mel­bri­ga­den machen, die immer wie­der per Flug­zet­tel für sich wer­ben. „Eigent­lich bräuch­ten sie eine Geneh­mi­gung. Aber das umge­hen sie, indem sie beto­nen, dass sie kei­nen Sperr­müll sam­meln. Was genau mit den Gerä­ten pas­siert, die die Sam­mel­bri­ga­den kas­sie­ren, wis­sen wir nicht,“ so Mynha.

Zur Sache:

Zu den so genann­ten Elek­tro-Alt­ge­rä­ten zäh­len Elek­tro-Klein­ge­rä­te (EKG, Werk­zeu­ge etc.), E‑Großgeräte (EGG wie Wasch­ma­schi­nen, Geschirr­spü­ler, E‑Herde), Bild­schir­me (BS), Fahr­zeug- und Gerä­te­bat­te­rien (FB, GB), Kühl­ge­rä­te (KG) und Leucht­stoff­röh­ren (LS).

Die Sam­mel­quo­te im Bezirk Bruck/Leitha im Jahr 2011 in Tonnen:

EKG: 73.346

EGG: 29.632

BS: 82.577

FB: 5.437

GB: 4.587

KG: 57.770

LS: 2.158

Gesamt Bezirk: 255.743 Kilo (=255 Tonnen)

Gesamt Öster­reich: 150.000 Tonnen

Im Rest­müll fin­den sich kaum noch Elek­tro-Alt­ge­rä­te. In jeder Gemein­de des Bezir­kes gibt es die Mög­lich­keit, E‑Schrott kos­ten­los loszuwerden.

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