„Du kriegst nur noch die Drecksarbeit“

50+, weib­lich und arbeits­los: Füh­len Sie sich am Abstellgleis?
Ja. Der Selbst­wert sinkt, wenn einen nie­mand mehr haben will. Ich habe Exis­tenz­ängs­te und vor allem Angst vor Altersarmut.
Ver­schwei­gen Sie Ihre Arbeits­lo­sig­keit scham­haft oder ste­hen Sie dazu?
Ich steh dazu. Die Leu­te zei­gen nicht, was sie dar­über den­ken oder es ist ihnen egal. Je mehr das The­ma publik gemacht wird, des­to höher die Chan­ce, dass sich was ändert.
Mit wie viel Geld pro Monat müs­sen Sie auskommen?
Ca. 700 Euro Not­stand und das Ein­kom­men mei­nes Man­nes, aber das ist auch nicht die Welt. Jeden­falls viel weni­ger als zu mei­ner akti­ven Zeit.
Wie geht sich das aus?
Schlecht. Ich suche einen gering­fü­gi­gen Job. Da habe ich noch am ehes­ten Chan­cen, weil ich ein Hör­ge­rät tra­gen muss und vie­le Fir­men Leu­te mit sol­chen Han­di­caps über­haupt nicht ein­stel­len. Außer­dem wol­len vie­le Fir­men über­haupt lie­ber zwei oder drei Gering­fü­gi­ge als eine Ganz­tags­kraft. Außer­dem müs­sen wir wohl unser Haus ver­kau­fen. Unser Schwei­zer Fran­ken-Kre­dit ist um 100.000 Euro explo­diert. Jetzt müs­sen wir noch 200.000 zurück­zah­len, das geht sich alles nicht mehr aus.
Ist Ihnen ohne Arbeit fad?
Ich wer­de eher ruhe­los. Ich habe schon vie­le Hob­bys, die machen mir auch Spaß, sind aber auch zum Teil Ver­drän­gungs­tak­tik, mei­ne Sor­gen zu vergessen.
Sind Sie mit Ihrer Betreu­ung am AMS zufrieden?
Ja. Sie kön­nen auch kei­ne Arbeit herbeizaubern.
Trotz­dem heißt es immer noch: Wer arbei­ten will, fin­det auch Arbeit…

Ja. (lacht bit­ter) Aller­dings fin­det man nur mehr die Drecks­ar­beit, für die nichts bezahlt wird. 8 Euro Stun­den­lohn ist schon super­viel. Aber mich aus­beu­ten oder von her­ri­schen Chefs run­ter­ma­chen zu las­sen wie ein Schul­mäd­chen habe ich auch nicht mehr nötig.

Die­ses Inter­view steht auch auf www.meinbezirk.at

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