MedAustron: Der „Hoffnungs-Strahl“?

Das Herz­stück von MedAu­s­tron ist das „Syn­cro­thron“, eine Maschi­ne, die heil­sa­me Ionen auf Licht­ge­schwin­dig­keit beschleu­ni­gen kann, ehe sie – in einem Strahl gebün­delt – zen­ti­mil­li­me­ter­ge­nau auf den Tumor geschos­sen werden.

Von außen sieht MedAu­s­tron (in der Civi­tas Nova von Wr. Neu­stadt gele­gen) unschein­bar aus. Innen drin­nen ent­fal­tet sich eine med­zi­ni­sche Fabrik, die mit drei Meter dicken fens­ter­lo­sen Wän­den gegen die Außen­welt abge­schot­tet ist.

Med Aus­tron? Ist das nicht ein­fach nur ein wei­te­res sünd­teu­res poli­ti­sches Pres­ti­ge-Pro­jekt? Bin ich skep­tisch. „Nein“, wider­spricht mir Eri­ka Pan­dur (Name geän­dert) aus dem Tri­es­ting­tal. Sie ist 70, krebs­krank und lei­det an den Fol­gen einer Strah­len­the­ra­pie. „Ich den­ke da nicht an die Poli­tik und nicht an Geld oder Geschäf­te­ma­che­rei mit der Gesund­heit. Alles, was Hoff­nung ver­spricht, neh­me ich ernst, tut mir gut.“
Klein­laut packe ich mei­ne Tasche und wir fah­ren zusam­men zu den offe­nen Tagen bei Med Aus­tron in der Civi­tas Nova von Wie­ner Neu­stadt. Es wird ein Aus­flug in die Zukunft der Medizin.
Die Zukunft der Medizin
Med Aus­tron soll das welt­weit erst vier­te Bestrah­lungs­zen­trum wer­den, das Krebs­pa­ti­en­tIn­nen auf der Basis ultra­mo­der­ner Teil­chen­phy­sik scho­nen­de­re Tumor­be­kämp­fung ver­spricht. Wie­viel Inter­es­se und wie­viel Hoff­nung dem The­ma ent­ge­gen­ge­bracht wird, lässt sich an den rund 10.000 Gäs­ten ermes­sen, die am 12. und 13. Jän­ner grup­pen­wei­se durch die zen­tra­len Räu­me geführt wer­den. (Und wohl nicht zufäl­lig weni­ge Wochen vor der Land­tags­wahl am 3. März, den­ke ich heim­lich. Immer­hin ist Med Aus­tron ein Pro­jekt der NÖ Lan­des­re­gie­rung und wird von der ÖVP beworben.)
Wie in einer Fabrik
Ich füh­le mich wie in einer Fabrik: Rie­si­ge Räu­me, von der Außen­welt mit min­des­tens drei Meter dicken Wän­den abge­schirmt, kom­pli­zier­te Maschi­nen, erklä­ren­de Schau­bil­der – und schließ­lich das „Kern­stück“, Abschluss und Höhe­punkt der Besich­ti­gung: das Beschleu­ni­gungs­zen­trum. Hier wer­den die Ionen auf Licht­ge­schwin­dig­keit beschleu­nigt, ehe sie dann – in einem Strahl gebün­delt – zen­ti­mil­li­me­ter­ge­nau mit 200.000 km/sec auf den Tumor geschos­sen wer­den, ohne viel gesun­des Gewe­be rund­her­um und dahin­ter anzu­grei­fen. Vor allem kom­pli­ziert lie­gen­de Tumo­ren sol­len damit bes­ser behan­delt wer­den kön­nen. Ab 2015 soll der medi­zi­ni­sche Pro­be­be­trieb auf­ge­nom­men wer­den, ab 2020 kön­nen hier dann bis zu 1400 Pati­en­tIn­nen jähr­lich behan­delt wer­den, zehn pro Stun­de, auf­ge­teilt auf drei Behandlungsräume.
Respekt vor der Technik
Die mons­trö­se Tech­nik macht mir Angst. Was, wenn irgend ein klei­nes Teil­chen nicht funk­tio­niert, ein Kabel falsch zusam­men­ge­schlos­sen ist, der Com­pu­ter ver­sagt? Wür­de ich so behan­delt wer­den wollen?
„Bedin­gungs­los ja“, flüs­tert mei­ne Beglei­te­rin. Ihr Kehl­kopf ist seit der Bestrah­lung aus­ge­trock­net, ihre Stim­me krächzt, das Schlu­cken tut weh. „Mei­ne Krank­heit konn­te ja so weit bekämpft wer­den, doch gegen die Neben­wir­kun­gen der Strah­len­the­ra­pie, die mein Leben schwer beein­träch­ti­gen, kann mir kein Arzt ein Mit­tel geben.“
Soft­ware wird noch entwickelt
Eri­ka Pan­dur will von unse­rem „Gui­de“ Dr. Bernd Möß­la­cher, einem Phy­si­ker, wis­sen, wel­che Com­pu­ter­soft­ware den Ionen­strahl auf den mensch­li­chen Tumor steu­ert. „Die Soft­ware wird gera­de ent­wi­ckelt. Wir arbei­ten mit der Para­cel­sus-Uni­ver­si­tät in Salz­burg zusam­men“, erläu­tert er vor dem Hin­ter­grund des kreis­run­den an die Decke mon­tier­ten gigan­ti­schen Beschleu­ni­gers. Spä­ter ein­mal wer­den in die­ser Hal­le kaum noch Men­schen arbei­ten, die Maschi­ne wird rund um die Uhr voll­au­to­ma­tisch laufen.
Rasan­te Ent­wick­lung und den­noch: zu spät
Eri­ka Pan­dur erin­nert sich an die Krebs­er­kran­kung ihrer Mut­ter vor 40 Jah­ren. „Damals war jeder Krebs ein Todes­ur­teil, unglaub­lich, was sich alles geän­dert hat“, ist sie fas­sungs­los. Aber sie ist auch trau­rig, denn „für mich kom­men die­se neu­en hilf­rei­chen Ent­wick­lun­gen wohl zu spät.“
Beim Ver­las­sen des Gebäu­des suchen wir noch nach Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al, das ist aber beschränkt auf einen drei­tei­li­gen blau-gel­ben Folder.
Aus der Statistik
Laut Sta­tis­tik Aus­tria leb­ten Ende 2010 in ganz Öster­reich 300.000 Men­schen mit Krebs, jähr­lich gibt es ca. 37.000 Neuerkrankungen.

Die­ser Arti­kel steht auch auf www.meinbezirk.at/baden

Auf Schau­ta­feln wird die hoch­kom­ple­xe Funk­ti­ons­wei­se erläu­tert. Mit nach Hau­se kann man aber lei­der nur einen klei­nen wenig infor­ma­ti­ven drei­tei­li­gen Fol­der neh­men. Nur wer ein Inter­net hat, fin­det auf www.medaustron.at wei­te­re Daten.

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